Mittwoch, 28. Juni 2017

Auf gehts nach Ostrhauderfehn

Während Paula beim Kabinenbauer rumsteht schreibe ich hier mal über die Fortschritte. Da alles noch gut zugänglich ist am Fahrgestell habe ich den 150 Litertank gegen einen mit 300 Liter Inhalt getauscht. Angeblich stammte der Tank von einem MAN und der Tankgeber sollte passen – hat er aber nicht. Ich habe mit der Firma Hoppe telefoniert, die nicht nur ein gigantisches Tanksortiment haben, sondern auch das passende Zubehör. Da jedes Fahrgestell mit unterschiedlichen Widerstandswerten beim Tankgeber von leer bis voll arbeitet, sind die Tankgeber nicht kompatibel. Nach 2 Tagen war der passende Geber da und das ganze konnte an Paula drangeschraubt werden.
Gleich noch die Dieselleitungen erneuert und ! Vor- mit Rücklauf beim Zusammenbau vertauscht. Warum springt die Kiste nicht an und wo zum Teufel ist der Knopf zum Entlüften der Leitung!!!!
Es hat etwas gedauert bis ich den Fehler bemerkt habe, denn was ich nicht wusste ist, dass sich unser MAN nach einem Dieselfiltertausch, oder wenn er leer gefahren wurde, selbst entlüftet.

Jetzt passt es

Nachdem ich die Leitungen richtig zugeordnet hatte, lief der Motor nach ein paar Umdrehungen sofort an – na bitte, geht doch. Gerade als ich das Fahrerhaus wieder über die Hydraulik zurückpumpen wollte platzt mir ein Zuleitungschlauch. Hab ich beim entrosten leider mit der Stahlbürste beschädigt. Das Hydrauliköl sprudelt munter heraus und die Kabine kippt wieder ganz nach vorne. Es gibt Tage, da würde man gerne die Reset-Taste drücken. Na besser hier als irgendwo unterwegs – oder? Also den Schlauch auch noch ersetzen. Gut, dass wir in Achern Firmen haben, die den passenden Schlauch mal eben herstellen können und die Wohnkabine noch nicht drauf gebaut ist. Jetzt muss der große Tank noch befüllt werden. Es lebe die Tankstellen-app, denn bei 300 Litern machen die 6 bis 10 Cent Preissprünge, die es zu den verschiedenen Tageszeiten an den Tankstellen gibt, einen großen Unterschied.




So, jetzt kann es zum Aufbauhersteller nach Ostrhauderfehn gehen. Der Fehntjer wird unsere Kabine bauen. Wer jetzt auf die Deutschlandkarte schaut, muss ganz nach links oben an die holländische Grenze. Genau da, wo auch die großen Kreuzfahrtschiffe zusammengeschraubt werden, nämlich in der Nähe von Leer. An einem Sonntag mache ich mich auf den langen Weg. Da mit 7,5 Tonnen Gewicht das Sonntagsfahrverbot für LKW entfällt, bin ich als langsamstes Fahrzeug entspannt unterwegs. Trotzdem! Wer schon einmal mit einem 10 Tonner ohne Gewicht auf den Achsen unterwegs war, weiß dass es auf Deutschlands hoppeligen Autobahnen nicht gerade lustig ist. Also Bullriding ist nichts dagegen.

Noch etwas zum Thema Tachoscheibenpflicht. Es ist gar nicht so einfach eine Information zu bekommen, ob ich als Privatnutzer eine Tachoscheibe einlegen muss. Nach einem Telefonat mit der BAG und einigen Recherchen habe ich den entscheidenden Hinweis für LKW bis 7,5 Tonnen gefunden:

LKW unter 7,5 Tonnen, die privat genutzt werden sind von der Aufzeichnungspflicht ausgeschlossen.
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Gibt es Ausnahmen von den Bestimmungen?Der Gesetz- und Verordnungsgeber sieht eine ganze Reihe von Ausnahmetatbeständen von den Fahrpersonalvorschriften vor. Diese sind im europäischen Recht in Artikel 3 der Verordnung (EG) Nr. 561/2006 aufgelistet. Im nationalen Recht sind die Ausnahmen in § 18 FPersV (der in Deutschland aufgrund des Artikels 13 der Verordnung (EG) Nr. 561/2006 erlassen wurde) und § 1 Absatz 2 FPersV aufgeführt.
Siehe auch Welche besonderen Rechtsvorschriften gelten für das Fahrpersonal?
Besonders hervorzuheben ist, dass bei nichtgewerblichen Güterbeförderungen für private Zwecke die Fahrpersonalvorschriften mit Fahrzeugen mit einer zulässigen Höchstmasse von nicht mehr als 7,5 Tonnen keine Anwendung finden. Hiervon unberührt besteht jedoch auch im privaten Bereich die Verpflichtung, in Deutschland zugelassene Kraftfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 7,5 Tonnen mit einem analogen oder digitalen EG-Kontrollgerät zu betreiben.

Gut, dass der Tank so groß ist

Also Paula macht die Tour Spaß und schaukelt vor sich hin





Unsere letzte Kabine hatten wir bei Ormocar bauen lassen. Auch nach 15 Jahren ist der Aufbau noch in Ordnung, wie wir bei einem Treffen mit den neuen Besitzern sehen konnten. Wir wollen also wieder einen Koffer ohne Metallrahmen, da wir von dem Konzept überzeugt sind. Der Fehntjer baut seit 30 Jahren funktionale Kabinen für Offroad- und normale Fahrgestelle. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt hier und der Termin für den Baubeginn, der mit dem Angebot kam, passte für uns. Leider hat sich der Termin immer weiter nach hinten verschoben, aber jetzt ist es so weit, dass unsere Kabine mit Zwischenrahmen in Angriff genommen wird.



So ungefähr soll der Aufbau einmal aussehen
In 4,5 Metern Kabine haben wir alles untergebracht, was uns wichtig ist


Wir haben uns nach dem ersten Angebot entschieden noch ein paar mehr Optionen einbauen zu lassen. Der Durchgang zum Fahrerhaus, wie ihn Herr Wallschlag anbietet hat mich überzeugt, ebenso wie die Zweiwangige Treppe, die in jeder Lage mit geraden Stufen steht. Das hat uns schon bei unserer Pickup-Kabine gut gefallen, dass die Treppe, die ich damals gebaut habe, bei unterschiedlichen Höhen immer gerade Stufen hatte. Außerdem lassen wir den Zwischenrahmen mit Vierpunktlagerung feuerverzinken, denn der Rahmen, den wir damals bei Ormocar haben bauen lassen und nur lackiert war, hatte doch über die Jahre gelitten. So – jetzt liegt erst mal alles weitere in ostfriesischen Händen.

Donnerstag, 11. Mai 2017

Schnell mal die paar Schrauben rausdrehen

Jetzt muss erst einmal die Pritsche runter. Die Idee an einem Nachmittag mal eben die paar Schrauben raus zu drehen, hat mich ziemlich viel Nerven und ein Stück von meinem Ohr gekostet. Versucht die festgerostete Schraube zu lösen – abgerutscht – Kopf an einer Querstrebe angehauen und an der Kante mit dem Ohr hängen geblieben! Blutet wie Sau kann ich Euch sagen. Stück für Stück geben die Schrauben aber nach. Was sich nicht rausdrehen lässt, bekommt eine Sonderbehandlung mit der Flex. Nachgezählt ist die Pritsche mit über 50 Schrauben am Rahmen befestigt. Nachträglich angebaute Teile, machen den Rückbau auch nicht gerade einfacher.



Geschafft. Mit dem 2 Tonnen Wagenheber lässt sich die komplette Pritsche anheben. Hilfreich ist es auch einen Bekannten mit Abschleppwagen zu haben. Er schaut sich das kurz an, hebt dann mit dem Kran die Pritsche einfach ab und transportiert sie gleich weiter zum Schrotthändler. Vielen Dank auch für die spontane Aktion bei strömendem Regen (deshalb leider keine Bilder). Jetzt liegt das ganze Fahrgestellt frei und kann fertig entrostet werden. Zuerst mussten mal alle Schläuche und Kabel soweit wie möglich gelöst werden. Nach vielen Stunden mit dem Nadelentroster und Drahtbürstenaufsatz auf der Flex, kann ich die erste Lage hellgraue Grundierung in zwei Arbeitsgängen aufspritzen.






Sieht doch schon mal ganz ordentlich aus. Im nächsten Arbeitsgang wird schwarze Grundierung gespritzt. Damit sehe ich, ob alle Stellen ordentlich überlackiert sind.













Und weil gerade alle Stellen so gut zugänglich sind, hat Paula gleich noch neue Stoßdämpfer bekommen. Soweit so gut – der Termin zur Überführung zum Aufbauhersteller rückt langsam näher. Es fehlen noch ein paar Kleinigkeiten, dann kann es losgehen!

Samstag, 4. März 2017

Im Untergrund

Nach den richtig kalten Monaten geht es jetzt endlich weiter. Die Achsen sind soweit mal fertig. Der Rost ging prima weg und es sieht schon richtig gut aus.

Thomas Grossmann hat in seiner Schlosserei mit einer 300 t Presse die Stoßstange wieder gerade gedrückt. Danke für die gute Arbeit! Geschliffen, grundiert und lackiert sieht sie jetzt fast wieder aus wie neu. 




Das nächste Projekt waren die Schuhe von Paula. Ich habe mich auf die Suche nach Reifen gemacht, die weltweit erhältlich sind. Viele Leute, die unterwegs Erfahrungen mit ganz unterschiedlicher Bereifung gesammelt haben, gaben mir dabei Hilfestellung. 
Ein langes Gespräch mit meinem Reifenhändler hat mir schnell gezeigt, dass die mit dem Fahrzeug gekauften 365/80 R 20 Reifen, was exotisches sind und nur wenige Reifentypen zur Auswahl stehen. Im Ausland wird es noch schwieriger. Ganz anders sieht es mit 385/65 R22.5 aus. Ein Telefonat mit den freundlichen Mitarbeitern von MAN und schon habe ich Bestätigung für die Freigabe der Reifengröße für unser Auto (die schriftliche Freigabe kostet dann mal eben noch100 Euro). Bei Fabian Heidtmann gab es die passenden 8-Loch-Felgen mit einer Einpresstiefe von 110 zu einem fairen Preis. 
Da wir, unseren Reise-Erfahrungen nach, die meiste Zeit auf Straßen bzw Pisten unterwegs sein werden, reicht uns ein komfortables Baustellenprofil. Und wieder geht es ins Netz, Reifenhersteller und Profile mit weltweiter Verfügbarkeit vergleichen. Letztendlich lande ich beim Hankook AM 15, der eine Freigabe für Allradfahrzeuge hat und sowohl in Nord-/Südamerika genauso auch in Australien zu einem guten Preis-Leistungsverhältnis zu bekommen ist. Damit reicht uns ein Ersatzrad. So sieht das Ganze jetzt aus. 



Beim Reifenkauf ist mir was ganz interessantes aufgefallen. Ich habe die Reifen im LKW Reifenshop bestellt. Mit unterschiedlichen Browsern gibt es unterschiedliche Preise. Ebenso, wenn man sich mit seinem Account anmeldet. Einen günstigeren Preis gibt es auch für Neukunden, die über eine Suchmaschine kommen. Merkwürdig, wie manche Algorithmen programmiert sind. So – Paula hat jetzt neue Schuhe, die mit Marken wie Gucci, Doce & Gabbana problemlos mithalten können – preislich auf jeden Fall. 

Bei TÜV war ich auch schon, habe alles eintragen lassen und gleich noch Paula auf 7,49 Tonnen abgelastet. Somit entfällt die Sicherheitsprüfung und die Mautgebühren auf der Autobahn. Auf gehts zum nächsten Projekt.

Sonntag, 11. Dezember 2016

Erst mal schauen, was unter dem Rost steckt

Ein guter Tipp bei fest sitzendem Rost – Druckluftnadler. Ich hatte noch nie von so einem Gerät gehört, aber nach dem ersten Einsatz der Drahtbürste auf dem Winkelschleifer war klar, dass es so nichts wird. Also bei ebay einen Druckluftnadler bestellt, an den Kompressor mit 6 bar Druck gehängt und los gehts. 
Also was das Ding leistet ist verblüffend. Rost und Lack fliegt einfach weg. Wenn die Rostschicht dicker ist fängt der Nadler an zu graben. Fast wie bei den Archäologen legt er Schicht um Schicht frei - bis aufs blanke Metall. Die erste Lektion, die ich bei der Arbeit mit dem Nadler gelernt habe war, immer einen geschlossenen Gesichtsschutz zu tragen. Ein Roststück ist an meiner offenen Schutzbrille vorbei ins Auge geflogen, hat sich dort festgesetzt und musste vom Augenarzt entfernt werden. Ach ja - und auf jeden Fall einen Gehörschutz aufsetzen. Warum? Seht selbst:




Und so sieht es hinterher aus, fertig zum Lackieren mit einer speziellen Rostschutzfarbe von Timemax. 




Die schließt die Oberfläche luftdicht ab, damit es darunter nicht munter weiter rostet. Mit einer Dose habe ich beide Achsen drei Mal gestrichen. Ist also ziemlich ergiebig.


Aller Anfang ist schwer - 10 Tonnen schwer

Nach den Erfahrungen auf unserer 1 1/2 jährigen Reise mit unserem Nissan MD21 mit Ormocar-Kabine war uns klar: das nächste Fahrzeug hat mehr Zuladungsreserven. Für die nächste Langzeitreise wollen wir auf einen LKW bauen. Über ein Jahr habe ich nach einem passenden Fahrgestell gesucht. Habe geschwankt zwischen Mercedes, MAN und Steyr. Kreuz und quer ging es durch die Republik, bis ich in Berlin fündig wurde. Ein MAN 10.220 stand zum Verkauf. Jahrelang im Einsatz als Zugfahrzeug für einen Anhänger, beladen mit einem Bohrgerät für Erdwärmebohrung.

Der kurze Radstand hat uns zuerst einmal zu denken gegeben, aber eine Radstandsverlängerung ist ja eventuell möglich. Das Fahrgestell hatte nicht unbedingt die richtige Pflege erhalten und über die Jahre ordentlich Rost angesetzt. Dafür hat er aber gerade einmal 100000 km runter. Der Motor sprang sofort an, obwohl das Fahrzeug schon ein paar Wochen rumstand und lief ruhig. Alle Gänge lassen sich sauber durchschalten und bis auf ein paar Schmutzstreifen ist das Fahrerhaus sauber. Interessant ist auch, dass ein geregelter Kat nachgerüstet wurde und auf der Windschutzscheibe eine grüne Plakette prangt!
Also dann: Paula ging in unseren Besitz über.